Friedrich Nietzsche, 1883
Zarathustras Vorrede
Nietzsches Zarathustra steigt von seinem Berg herab, um den Menschen eines zu sagen. Der Kern der Vorrede:
Ich beschwöre euch, meine Brüder, bleibt der Erde treu und glaubt denen nicht, welche euch von überirdischen Hoffnungen reden. Giftmischer sind es, ob sie es wissen oder nicht.
Verächter des Lebens sind es, Absterbende und selber Vergiftete, deren die Erde müde ist — so mögen sie dahinfahren.
Einst war der Frevel an Gott der größte Frevel; aber Gott starb, und damit starben auch diese Frevelnden. An der Erde zu freveln ist jetzt das Furchtbarste — die Eingeweide des Unerforschlichen höher zu achten als den Sinn der Erde.
Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Tier und etwas Größerem — ein Seil über einem Abgrunde. Was groß ist am Menschen, das ist, dass er eine Brücke und kein Zweck ist.
Ich liebe die, welche nicht erst hinter den Sternen einen Grund suchen, unterzugehen und Opfer zu sein — sondern sich der Erde opfern, dass die Erde einst etwas Größerem gehöre.